Viktoria, woher stammst du und seit wann bist du in Deutschland?
Viktoria: Ich komme aus der Ukraine, aus Charkiw. Das liegt sehr weit östlich, genau neben Russland. In Deutschland bin ich jetzt genau 4 Jahre.
Du sprichst auch sehr gut Deutsch.
Viktoria: Naja, nicht sehr gut. Ich habe zuerst den B1-Deutschkurs und gleich danach den B2 und C1-Kurs für den Beruf hintereinander und ohne große Pause dazwischen gemacht, das hat vielleicht etwas dabei geholfen.
Und was machst du jetzt gerade und seit wann?
Viktoria: Seit Oktober 2025 mache ich die Ausbildung zur Pflegefachfrau in der Pflegeschule am DRK-Bildungszentrum in Senftenberg. Die Ausbildung macht mir Spaß, ich mag das Wechselmodell zwischen dem Praxiseinsatz und den Theorieeinheiten. Wenn ich zum Beispiel müde bin wegen der Spätschicht oder Frühschicht, freue ich mich, wenn ich wieder zurück in der Schule bin. Und wenn ich nach der Schule für die Theorie lernen muss, freue ich mich umso mehr wieder bei der praktischen Arbeit in der Einrichtung zu sein.
Was hast du vorher gemacht?
Viktoria: Ich habe vorher ein Diplom als Tierärztin abgeschlossen, aber nicht als solche gearbeitet und habe danach auf IT-Fachfrau umgeschult. Aber eigentlich habe ich schon immer gern Massagen gemacht und wollte deshalb in Deutschland gern eine Ausbildung als Physiotherapeutin oder Ergotherapeutin machen. Nur war ich mit der Anmeldung dafür zu spät. Und dann kam spontan die Ausbildung zur Pflegefachfrau - diesen Ausbildungsberuf kannte ich bis dahin gar nicht. Erst bei den Ansprechpartnern vom DRK-Projekt INSEL in Finsterwalde habe ich dann etwas davon gehört, wie die Ausbildungs- und Einsatzmöglichkeiten sind. Und deshalb habe ich mich entschieden, diesen Weg einzuschlagen.
Wie genau bist du denn auf das DRK-Projekt aufmerksam geworden?
Viktoria: Ich habe ganz viele Leute in meinem Umfeld gefragt, wo ich eine Ausbildung zur Physiotherapeutin machen kann und dann hat mir eine Bekannte von ihrer Arbeit im ambulanten Pflegedienst erzählt, dass es interessant ist und ihr Spaß macht. Sie hat mir geraten, beim DRK in Finsterwalde nachzufragen. Also bin ich dort hin gegangen und habe mit Patricia gesprochen – und sie war gleich so freundlich, empathisch und voller Energie – das war unglaublich! Das hat mich angesteckt. Ich habe ihr gesagt, dass ich eine Ausbildung suche, die ich schnellstmöglich anfangen kann, weil ich kein Jahr mehr bis zum nächsten Ausbildungsstart warten will. Außerdem wusste ich nicht, welche Schritte jetzt nach den Sprachkursen zu tun sind. Und Patricia hat gesagt: Viktoria, wir schaffen das! Wir haben uns dann nochmal mit allen Dokumenten von mir zusammengesetzt und gemeinsam nach etwas Passendem gesucht. Ich habe vorher nie über eine Ausbildung in der Pflege nachgedacht, denn in der Ukraine gibt es diesen Beruf so nicht. Wir haben zwar Krankenschwestern, aber Pflegeheime für ältere Menschen oder Einrichtungen für Behinderte gibt es nur ganz wenige und deswegen wissen wir darüber nicht viel. Das System ist da ganz anders.
Und jetzt bist du während der Ausbildung auch im Praxiseinsatz?
Viktoria: Ja, in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, in der DRK-Wohnstätte Waldblick und es gefällt mir dort. Durch den Praxiseinsatz habe ich gemerkt, dass ich genau in dem Bereich arbeiten möchte. Für mich ist das ein sehr interessantes Arbeitsfeld, denn durch die Behinderung muss ich nicht so viel mit den Menschen sprechen und behinderte Menschen sind so ehrlich. Man kann sie sehr gut durch aktives Beobachten verstehen und es wird auch sehr viel nonverbal kommuniziert.
Angenommen, du wärst nicht auf das DRK-Angebot aufmerksam geworden, was hättest du dann gemacht?
Viktoria: Ich hatte in dem Moment keinen anderen Plan und ich freue mich sehr, dass ich beim DRK bin, weil das eine sehr große Organisation ist, die nicht nur regional, sondern grenzenlos arbeitet. Und die Arbeit ist sehr schön, es gibt so viele Möglichkeiten und viele Einrichtungen. Man kann sich in verschiedene Richtungen entwickeln und das ist toll, das ist ein ganz großer Punkt.
Und, wirst du nach der Ausbildung noch etwas in Richtung Physiotherapie oder Ergotherapie machen?
Viktoria: Jetzt im Moment weiß ich das noch nicht. Ich sehe jetzt, dass ich viele Dinge aus diesem Bereich in Form von Bewegungsübungen und Spielübungen auch im Alltag als Pflegekraft machen kann und das ist sehr gut. Deshalb bin ich nicht sicher. Vielleicht wechsle ich gar nicht und bleibe Pflegekraft, aber ich schaue ab und zu auch, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es beim DRK gibt.
Zum Projekt “INSEL”
Das Projekt "INSEL" ist ein Kooperationsprojekt zwischen der WEQUA GmbH und dem DRK-Kreisverband Lausitz e.V. und wird durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gefördert. Ziel des Projektes ist es, u.a. die Integration sowie die soziale Inklusion von Migranten zu fördern.
